TIPPS UND TRICKS ZUM BAU VON RESIN-KITS
Resin (englisches Wort für Kunstharz) ist ein sogenanntes Duroplast, im Gegensatz zu dem Thermoplast Polystyrol, das von den Spritzguss-Bausätzen her allen Modellbauern wohlvertraut ist. Diese Bezeichnung soll andeuten, dass man Thermoplaste nach dem Erwärmen praktisch beliebig verformen kann (z.B. kann man es über einer Kerzenflamme in die Länge ziehen, um sich dünnes Rundmaterial zu erzeugen). Mit dem duroplastischen Resin geht das leider nicht. Zwar wird es durch Erwärmen etwas biegsamer, aber grundlegend thermisch umformen kann man es nicht mehr. Aufgrund der gänzlich unterschiedlichen Chemie und den daraus resultierenden Materialeigenschaften gibt es nun einige wichtige Dinge, die beim Bau von Resinmodellen zu beachten sind.
1. VORBEREITEN DER BAUTEILE
Alle spanenden Bearbeitungsmethoden wie Feilen, Sägen, Schleifen, Bohren, Fräsen etc. können wie gewohnt mit den üblichen Werkzeugen ausgeführt werden. Um Brüche zu vermeiden, sollten die Resinteile jedoch nicht zu stark mechanisch belastet werden. Resin ist um einiges spröder als Polystyrol, daher sollte man so vorsichtig wie möglich zu Werke gehen, bis man ein Gefühl für das Material entwickelt hat. Hinweis: Resinstaub kann Allergien verursachen. Daher sollte man bei solchen Arbeiten besser eine Atemschutzmaske tragen.
2. KLEBEN
Hier tritt ein weiterer, grundlegender Unterschied der beiden Materialklassen auf. Polystyrol wird von organischen Lösungsmitteln rasch angegriffen. Darauf beruht die Wirkung des üblichen “Plastikklebers”. Er löst die Oberfläche der Bauteile an, so dass sie beim Zusammenfügen regelrecht miteinander verschweissen. Anschliessend verdunstet das Lösungsmittel im Laufe der Zeit (Trocknungsphase). Resin jedoch ist sehr widerstandsfähig gegen Lösemittel aller Art, so dass der normale Plastikkleber hier vollkommen versagt. Stattdessen müssen Sekundenkleber (Cyanacrylat) oder Zwei-Komponenten-Kleber verwendet werden, um eine dauerhafte Verbindung zu erzielen. Erstere haben den Vorteil des raschen Arbeitens, aber bei ungenauer Plazierung eines Bauteils ist eine Korrektur ohne Schaden kaum noch möglich. Hier hat sich folgende Vorgehensweise bewährt: Man bringt das Bauteil zunächst mit wenig Allzweckkleber (UHU, PATTEX o.ä.) in Position. Die Adhäsionskraft reicht in der Regel aus, um das Teil auf der richtigen Position zu halten. Anschliessend nimmt man etwas dünnflüssigen Sekundenkleber auf die Spitze eines Zahnstochers und bringt ihn an der zugänglichsten Stelle an die Klebenaht. Der Klebstoff wird von den Kapillarkräften in den Spalt gesaugt und sorgt für eine sichere Verbindung. Auch beim Anbringen von Ätzteilen erwies sich diese Methode als nützlich.
3. SPACHTELN
Alle gebräuchlichen Spachtelmassen können beim Bauen von Resinmodelllen verwendet werden. Allerdings sollten grössere Spachtelstellen mit Sandpapier aufgerauht werden (anschliessend sorgfältig staubfrei machen), um eine gute Haftung zu gewährleisten. Luftblasen sollten mit dem Bastelmesser etwas erweitert werden, damit der Hohlraum besser zugänglich wird. Fehlende Ecken werden am besten ausgefeilt, mit einem Stückchen Plasik aufgefüttert und anschliessend wieder in Form gefeilt.
4. BEMALEN
Zur Bemalung von Resinmodellen werden keine speziellen Farben benötigt. Die handelsüblichen Plastikmodellbau-Farben können ohne weiteres benutzt werden. Allerdings sollte man Resinteile bzw. das gebaute Modell vor der Bemalung sorgfältig staub- und fettfrei machen. Die Formen, in denen die Teile gegossen werden, hinterlassen fein verteiltes Silikonöl auf der Oberfläche. Ausserdem kommen natürlich im Laufe der Bearbeitung noch zahlreiche Fingerabdrücke hinzu. Am besten legt man das Modell in spülmittelhaltiges Wasser und bürstet es ganz vorsichtig ab (mit einer Zahnbürste o. ä.). Erscheint einem dies zu gefährlich für das Modell, lässt man es möglichst lang in der Seifenlauge liegen oder verwendet einen speziellen Entfetter, wie er in der Metallverarbeitung benutzt wird. Anschliessend lässt man das Modell in einer möglichst staubfreien Umgebung an der Luft gründlich trocknen. Übrigens: Sollte ein Anstrich einmal gründlich daneben gegangen sein, so ist ein Abbeizen der alten Farbe bei einem Resinmodell kein grosses Problem, da es ja resistent gegen Lösemittel ist. Für ein Polystyrol-Modell endet eine solche Prozedur meist tödlich.
5. RICHTEN VERZOGENER RÜMPFE
Nichts ist störender als ein “Wasserlinienmodell”, das entweder Bug und Heck in die Höhe streckt oder einen Buckel macht. Wie eingangs schon erwähnt, wird Resin durch Erwärmen wieder etwas biegsam. Dazu legt man den Rumpf entweder in heisses Wasser oder erwärmt ihn mit einem Föhn (bei beiden Methoden heisst es aufgepasst, dass man sich nicht die Finger verbrennt! Wählt man heisses Wasser, lange Grillzange o. ä. verwenden). Anschliessend wird der Rumpf in warmem Zustand mit Hilfe mehrerer Schraubzwingen oder Gewichte auf einer ebenen Unterlage ausgerichtet. Nun lässt man den Rumpf am besten 1-2 Tage ruhen. Danach sollte eine deutliche Verbesserung eingetreten sein. Fatalerweise scheint Resin so etwas wie ein Gedächtnis zu besitzen. Je älter das Resinteil ist, desto mehr ist es bestrebt, in seine ursprüngliche Form zurückzukehren. Man muss den Vorgang also gegebenenfalls noch einmal wiederholen. Dioramenbauer umgehen diese lästige Prozedur, indem sie das fertige Modell von der Unterseite der Dioramenplatte her so festschrauben, dass der Rumpf auf ganzer Länge an die Platte herangezogen wird.
